Die angeblichen Stiftungen des Feminis

Dr. Karl Kempkes

Die angeblichen Stiftungen des Feminis

Zusammenfassung:
In dem folgenden Text wird die Behauptung widerlegt, dass Giovanni Paolo Feminis (Geburtsdatum unbekannt, gestorben 1736 in Köln) ein erstaunlich große Vermögen besaß. Diese Idee basiert auf seine angeblichen Stiftungen zugunsten öffentlichen Bauwerken in seiner Heimat Santa Maria Maggiore. Laut Maurizi und vielen anderen Autoren hätte Feminis z.B. 60.000 Lire zugunsten der Wiederaufbau der Pfarrkirche in Santa Maria Maggiore gespendet. Maurizi bezieht sich auf Scaciga, der seinerseits auf Cavalli hinweist: dieser berichtet über die angebliche Stiftung des Feminis in “Cenni statistico e storici de la valle Vigezzo” (1845), ohne irgendwelche Quelle oder Beweis dazu anzubringen. Es ist übrigens unmöglich, sich auf originale Dokumente und Schriftwechsel des Feminis zu beziehen, da sie nicht mehr vorhanden sind. Die Untersuchung einiger Korrespondenzbücher der damaligen Zeit, die sich im RWWA, Abtl. 33 befinden, bestätigt die Schlussfolgerung Mönckmeier-Schaefers, und zwar folgendes: Feminis Beitrag an der Spendenkasse, die von Johann Maria Farina und anderen aus Santa Maria Maggiore stammenden Persönlichkeiten eingesetzt wird, besteht nur aus 100 Dopien (d.h. 2.500 Lire); außerdem stellt er noch weitere 100 Dopien in Aussicht, aber weder er noch seine Witwe werden sein Wort halten, mit großer Enttäuschung der Förderer der gemeinsamen Aktion. Die obenerwähnten Angaben kann man in einigen Briefen Johann Maria Farinas nachlesen. Hier berichtet er über seine vielen und vergeblichen Versuche, Feminis zu einem großmütigeren Beitrag an der Sammlung beizubringen.

  1. Was ist über das „ungewöhnlich große Vermögen“ des Feminis quellenmäßig festzustellen?
  2. Welche Bedenken stehen der Verbindung dieses „Reichtums“ mit der Kölnisch Wasser-Herstellung entgegen?

Die wichtigsten Argumente, welche zu der Annahme eines ungewöhnlich großen Reichtums des Feminis ins Feld geführt werden, sind die angeblichen Stiftungen, welche Feminis für seine engere Heimat gemacht haben soll.

Als Quelle zu dieser Behauptung gilt G. de Maurizi: „Santa Maria Maggiore e Crana, 1928“, an. Diese Stelle bei Maurizi lautet: “Concorse con 60.000 lire imperiali all’erezione dell’attuale chiesa di Santa Maria“. Maurizi bezieht sich aber mit seinen Angaben wiederum auf Scaciga „Vite di Ossolani illustri“ und Scaciga beruft sich auf Cavalli „Cenni statistico e storici de la valle Vigezzo“.Dieser bringt endlich die gleiche Nachricht ohne sich auf irgendeinen Vorgänger zu beziehen, aber auch ohne eine Quelle anderer Art für diese seine Angabe aufzuzeigen.

Mußte denn nicht gerade der Gedanke an die angeblich erfolgte Vernichtung der Originaldokumente und des darauf bezüglichen Schriftwechsels des Feminis von selbst die Frage lebendig werden lassen, woher denn Maurizi bzw. Cavalli ihr „Wissen“ von den 60.000 lire genommen haben? Es handelt sich doch nicht um irgendwelche zeitgenössische Schriftsteller! Feminis starb 1736, und das Buch von Cavalli erschien 1845!

Weiterhin ist auffallend, dass alle die Angabe von Mönckmeier-Schaefer, dass Feminis nur einen Zuschuss in Höhe von 100 Dopien ( = 2.500 lire) zum Kirchenneubau in Santa Maria Maggiore gegeben habe, vollständig übergehen.

In einem besonderen Abschnitt dieser Ausführungen (siehe: „Feminis und die italienischen Schriftsteller des 19.Jahrhunderts“) sind sowohl Cavalli als auch seine Ausführungen über Feminis eingehend behandelt. Dort ist gezeigt, daß Cavalli seine Kurze geschichtliche Betrachtung über Feminis an eine bestimmte Adresse, und zwar an Jean Marie Joseph Farina, Paris, richtet, und daß es sich bei diesem „offenen Brief“ nicht um irgendwelche geschichtswissenschaftliche Forschungen, sondern lediglich um die Anführungen geeigneter „Momente“ handelt, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, nämlich eine entsprechende Stiftung zur Errichtung eines Krankenhauses für arme Leute in Santa Maria Maggiore!

Die Tatsache, daß nicht nur die Originaldokumente der Stiftungen, sondern auch der gesamte darauf bezügliche Schriftwechsel verschwunden sind, kann aber aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mit einem ungetreuen Verwalter der Gelder und Unterschlagung ihre Erklärung finden, wohl aber mit der Absicht einer bestimmten Person, die geschichtlichen Tatsachen post festum umzudeuten!
Wenn auch die Vernichtung des Schriftwechsels in Italien gelang, so geben doch die im RWWA, Abtl. 33 vorhandenen Korrespondenzbücher der damaligen Zeit genügend Möglichkeit, die wirklichen Verhältnisse in Bezug auf die Stiftungen zu Gunsten des Neubaus der Kirche in Santa Maria Maggiore in das richtige Licht zu stellen.
Am 12. Mai 1733 schreibt Johann Maria Farina, der an dem Wiederaufbau seiner heimatlichen Pfarrkirche großen Anteil nimmt, an seinen Vetter Guilielmo, der damals in Aachen lebte, daß er Feminis getroffen und mit ihm über seine gute Absicht gesprochen habe, der Pfarrkirche durch Spenden zu helfen. Feminis habe die Absicht geäußert persönlich 100 Dopien zu geben.

(… „avanti Jeri o fato incontro del sig.feminis aueme parlato insieme fra altro atorno sa bona volonta che a di munurare la nostra chiesa si e datto dintendere astengers p sine alla soma die 100 dopie“)
Allem Anschein nach geht aber Feminis nicht mit besonderer Begeisterung an die von Johann Maria Farina proklamierte Aktion heran, denn Farina bittet seinen Vetter Guilielmo, möglichst bald nach Köln zu kommen, um ihm bei der Gewinnung des Feminis zu helfen.
(„seconda la parenza se ne va al grangalopo piliate gesta cosa al vore e non perdete tempo quando douersi uenire qui a posta“)

Gleichzeitig fordert Farina seinen Vetter auf, den Mut nicht sinken zu lassen und inzwischen in gleicher Weise wie bisher, weiter zu spenden.
(„non ni deue rinchresere in mentre muerete agualmente merito auanti.“)
Am 27. Mai 1733 schreibt Farina an Barbieri in Brüssel, daß sein Vetter Guilelmo mit ihm zusammen bei Feminis gewesen ist und sie ihm die gefährliche Lage der heimatlichen Pfarrkirche geschildert haben mit dem Hinweis, daß, wenn nicht in Kürze Abhilfe geschaffen werde, die ganze Kirche zusammenbrechen würde.
(„..a poi ui losapere dire intra me et il cogine Guilelmo auemo dato a conosere a questo sig. Feminis che la nostra chiesa parochiale di sta matiene necesita desere riperata fra altro che in un corto loge come mi pose spiegare e degia crapata e se non si porta rimedio che in poco tempo cuore rischio di caschare.“)

Weiter schreibt Farina, daß Feminis ihm vorgestern versprochen habe, daß, wenn eine gemeinsame Aktion durchgeführt würde, er von seiner Seite aus 100 Dopien geben würde.
(„auanti jieri o fatto incontro del sudeto oue che mia promeso che p.una opera similie a risolto p.sua parte di astengersi p.sine a 100 dopie.“)

Da Feminis seine Spende von einer gemeinsamen Aktion abhängig macht, schlägt Farina in seinem Schreiben dann weiter vor, die Herrn „Corati und Sindici“ der heimatlichen Pfarrkirche sofort zu benachrichtigen und aufzufordern, an alle edeldenkenden Patrioten, welche sich hier im Lande befinden, eine Art Bittschrift zu schicken und auf diese Weise die Sammlung vorwärts zu treiben.
(„p.auer da questo sudeta soma bisogna scriuere di subito alla patria a nostri SS.Corati e sindici di sud chiesa che ui mandano a voi e a altri gelantomini patrioti che in questo paesi si ritrovano una spezie di suplica che si richie de agiuto da questi nos patrioti abitanti in questo paesi p far sudeto opera.“)
Am 31 Januar 1736 schreibt Farina an Barbieri in Brüssel, daß man aus der Heimat wegen der Pfarrkirche geschrieben habe. Es seien 25.000 Lire für die notwendigsten Arbeiten erforderlich, aber in der Kasse nur 15000 Lire vorhanden und deshalb sei man in großer Verlegenheit. Diese Nachricht habe er Feminis überbracht, der noch weitere 100 Dopien in Aussicht gestellt habe.

(„.. ui hano scrito dalla patria atorno la nostra chiesa anche ame mi hanno scrito il med. et ne o fato il riporto a questo sg.feminis con dirgli che nesta acordata p uinti cinque miglia Lire e si come non auemo in cassa che li 15000 siami imbarasati mi a promeso che fara pr anche cosa, mi soponge che sara p. anco 100 dopie.“)
Am 3 Juli 1736 schreibt Farina an Barbieri, daß er bis jetzt noch keine sicheren Angaben von Feminis über seine weitere Beihilfe habe erhalten können.

(„atorno la nostra chiesa ancho noi aueme auisa che ua auanzando poi a questo Sig.feminis p.sine al presente non posio da luy cauarne una certutuda.“)

Am 24 August 1736 schreibt Farina, daß er Feminis mit der Frage der Unterstützung der Pfarrkirche in Ruhe lasse.
(„atorno lafara p la nostra chiesa lascio questo sig.feminis di riposo“)

Am 26 November 1736 stirbt Feminis. Nach seinem Tode gehen aber die Sammlungen für den Kirchenbau in Santa Maria Maggiore weiter! Am 10 Oktobert 1737 schreibt Farina an Barbieri, daß sein Bruder Carl Hieronymus mit der Witwe Feminis gesprochen habe, um etwas für die Kirche in Santa Maria Maggiore zu bekommen.
(„mio fratt degia Mercordi scorso di ne e ritornato p dusseldorf senza abia con questa uechia p ancho podato optenire fra altro per la nostra chiesa“)
Am 10 Januar 1738 schreibt Farina, daß sein Bruder nochmals mit der Witwe Feminis gesprochen haben, um von ihr etwas zugunsten der Pfarrkirchen zu bekommen, wenn sie ihr Testament macht.
(„mio fratt e stato di nouo qui le scorse Ste feste e in aparenza comincia auer disposto la uechia a far qualche cosa per la nostra chiesa che si fera col suo Tastamento.“)
Am 10 Oktober 1738 schreibt Farina, dass sein Bruder nach Italien unterwegs sei und Geld für den Kirchenbau bei sich habe.
(„mio frattelo auanti il suo diporto p la patria ma imposto di dire al vor.Sig.Stefano che gli a reuisite dauer tirato il Sig.Bernardi a quele che sa bene e per consequenza a portato seco quel dinaro p la nostra chiesa“)
Am 24 Februar 1739 stirbt die Witwe Feminis, und am 7 März 1739 bringt Farina in einem Schreiben an Barbieri seine Enttäuschung darüber zum Ausdruck, daß die Witwe Feminis in ihrem Testament nichts für den Kirchenbau festgelegt hat.
(„la uedoua feminis a lasiato p testamento tuto il fato suo a y poueri…..la grande pena che si a dato mio fratello el il Guilielmi pensando di tirare qualche cosa….per la nostra chiesa sono stato tuto inuane“)
Zusammenfassend lassen sich also aus den oben angeführten Briefstellen folgende wichtige Feststellungen treffen:
Feminis wird wiederholt aufgefordert für die Kirche in der Heimat zu spenden, aber es ist sehr schwer, in dieser Beziehung etwas bei ihm zu erreichen.
Die Initiative der Unterstützungsaktion liegt nicht bei Feminis.
Feminis erklärt sich bereit, 100 Dopien = 2.500 Lire zu spenden, wenn die andern auch mitmachen.
Farina schlägt einen Aufruf an alle Italiener in den deutschen Landen vor.
Es besteht eine Kasse für den Wiederaufbau der Kirche, und in dieser Kasse befinden sich bereits 15000 Lire, als Feminis nachweislich erst 100 Dopien gespendet hat.
Feminis hat weitere 100 Dopien als Spende versprochen, aber dieses Versprechen ist nicht eingehalten worden.
Nach dem Tode des Feminis ist die Finanzierung des Kirchenneubaues noch nicht gesichert. Die Sammlung wird weiter fortgesetzt.
Die Versuche, bei der Witwe Feminis etwas für den Kirchenbau zu erhalten, gehen fehl.
Drei Jahre nach dem Tode des Feminis, also im Jahre 1739, ist die Enttäuschung bei den Freunden des Kirchenbaues groß, daß in dem Testament der Witwe Feminis die Kirche in Santa Maria Maggiore leer ausgeht!

Aus diesen Feststellungen ergibt sich aber zwangsläufig, daß die Behauptung, Feminis habe in erster Linie den Neubau der Kirche finanziert, unhaltbar ist.

Es handelt sich hier aber nicht nur um einen Briefwechsel des Jahres 1733, sondern um durch Briefe belegbare Äußerungen eines Zeitgenossen, der nicht nur ein großes Interesse an dieser Frage aufzuweisen hat, sondern auch selbst unmittelbar mit den Vorgängen in Verbindung stand, und dessen Äußerungen aus den Jahren 1733-1739 herangezogen worden sind. Von besonderer Bedeutung aber ist die unmittelbare und dauernde Verbindung mit der Heimat, welche durch häufigere Besuche einzelner „Aktivisten“ wie Carl Hieronymus Farina und Guglielmi gepflegt wurde, so daß es sehr unwahrscheinlich sein muß, daß irgendeine größere Spende des Feminis, welche etwa, wie Utescher andeutet, „höchstpersönlich“, also nicht über den Weg der Gemeinschaftsstiftung nach Santa Maria Maggiore gelangt wäre, ihnen unbekannt geblieben sein könnte. Außerdem würden die weiteren Versuche, sowohl von Feminis selbst wie später noch von der Witwe Zuwendungen für den Kirchenbau zu erhalten, unerklärlich sein. „Die Angaben der italienischen Schriftsteller über den Umfang der Stiftungen und die Tatsache, daß nur sein Bild als Wohltäter in der Sakristei der Kirche hängt“ haben, wie an anderen Stellen ausführlich nachgewiesen, nach dem heutigen Stande der Untersuchungen keine Beweiskraft mehr.
Die Stiftung des Feminis in Höhe von 60.000 Lire ist in das Reich der Legende zu verweisen. Ein solcher Betrag wäre in der damaligen Zeit nicht mit Stillschweigen übergangen worden und eine weitere Sammlung und ein weiteres Sorgen um das Aufkommen des notwendigen Geldes, wie es nachweislich vorlag, wäre überflüssig gewesen, da ja die Zahlung des Feminis noch zu seinen Lebzeiten erfolgt sein soll.

In Wirklichkeit sind aber die ganzen Ausführungen, wie durch die inhaltliche Gedankenführung deutlich wird, Maurizi entnommen. Cavalli und damit auch Scaciga, der sich auf Cavalli bezieht, geben lediglich an, daß Feminis den Wiederaufbau des Gemeindehauses und des schönen Oratoriums von Crana bewirkte.

(„fece del proprio riedificare la casa del comune ed il bell Oratorio di Crana“)
Cavalli hält sich also fast wörtlich an die Aufschrift auf dem sogenannten Feminis-Bild, welche er einige Zeilen weiter wie folgt wiedergibt: „…e del proprio riedificatore dell‘ Oratorio e casa del Comune di Crana.“ Auf den historischen Wert dieser Aufschrift wird im Zusammenhang mit der Behandlung der sogenannten Feminis-Bilder näher eingegangen. Wesentlich ist hier zunächst, daß Cavalli in Bezug auf die Stiftung für das Oratorium in Crana keine Höhe des zur Verfügung gestellten Geldes angibt.

Erst Maurizi (S. Maria Maggiore e Crana, 1928, p.119/20) nennt den Betrag von 1000 Lire und stützt sich dabei auf eine „convenzione stipulata tra Carlo Gerolamo Farina e Carlo Giglielmi“ – die er als „procuratori del Feminis“ bezeichnet – „e i terrieri di Crana“, welche nach Maurizi (p. 120) folgenden Wortlaut hat:
„1743, all‘ 8 di settembre, nelle casa nuova della Communita di Crana, essendosi ivi congreati li uomini della terra di Crana, il sig. Carlo Gerolamo Farina, anche a nome del signor Carlo Guglielmi, ha proposto che vi sono lire dieci mille di Milano, d’oblazione fatta a dai medesimi procurata per riedificare l’Oratorio di Crana e fare un campanile; quale oblazione e stata fatta  ed e pronta con questo che li terrieri di Crana si obblighino di fare le oure per bisognevoli per portare i sassi, sabbia e legnami ed altre oure per transportare materiali bisognevoli per fare detto Oratorio e campanile; che pero detto signor Farina anche a nome del sig. Guglielmi ha interpellato li detti di Crana si intendono di fare le dette oure si o no, accio si possa venire alla riedificazione di detto Oratorio e far il campanile.- Pero, attesta questa oblazione, si obbligano di fare le suddette oure: Pietro Francesco Mattei, Giorgio de Giorgis…“

Maurizi bezeichnet diese Spende (oblazione) als eine Spende des Johann Paul Feminis und Karl Hieronymus Farina und Karl Guglielmi als die Sachwalter (procuratori) des Feminis. Wie ist es aber dann zu erklären, daß die „procuratori“ ihren Auftraggeber, den edlen Spender in diesem Abkommen (convenzione), überhaupt nicht erwähnen? Zweimal wird ausdrücklich hervorgehoben, daß Karl Hieronymus Farina nicht für sich allein handelt, sondern auch im Namen des Karl Guglielmi (anche a nome del signor Carlo Guglielmi), aber Feminis wird total totgeschwiegen!
Die Tatsache, daß bei der wirklich nachweisbaren Stiftung des Feminis zugunsten der Errichtung einer Schule in Santa Maria Maggiore Karl Hieronymus Farina und Karl Gugliemi als „procuratori“ in Erscheinung treten, setzt aber nicht voraus, daß, wenn die gleichen Personen bei anderen Stiftungen auftreten, es sich nur um „Feminis-Stiftungen“ handelt. Die Stiftung zugunsten der Schule hat folgenden Wortlaut:
„Per Tennore della presente procuram, Jo sotto scrito Costituisco a mio nome li SS. Carlo Guiglielmi e Carlo Gerol. Farina di dimandare et essigere da SS. Gio Batt. Barbieri e compagnie di Bruxelles pag’to della due centi copie prestatoli contra il di luoro biglieto ossia conffeso del 10 8bre 1731 con obligo alli miei sud’e due constituent procurano di rimpiazarle oue gli parera bene ad interreso e con li mad’e interresi di instituire in St’a Maria una scuola a benefitio de poueri Figlij di dela cura di St’a Maria…“
Die Durchführung dieses Auftrages an Karl Guglielmi und Karl Hieronymus Farina hat aber nach Utescher (Schreiben an den Verband der Kölnisch Wasser-Hersteller v.22.1.53) ins Deutsche übertragen zu folgendere Festlegung im Gemeindearchiv von Santa Maria Maggiore geführt:
„Crana, den 8.9.1743.
Wir, die Unterzeichneten, Carl Hieronymus Farina und Carl Guglielmi, haben die Absicht, ein Kapital von 5000 Imperial Lire zu dotieren, welche Johann Paul Feminis, gestorben am 26.11.1736, uns gab, und zwar zum Zwecke…“
Hier wird also ausdrücklich hervorgehoben:
„welche Johann Paul Feminis…uns gab…“!
In dem Augenblicke, wo man die Stellung des Karl Hieronymus Farina und des Karl Guglielmi bei der gemeinsamen Aktion der Italiener im deutschen Bereich zugunsten der heimatlichen Pfarrkirche berücksichtigt, so wie die oben angeführten Briefstellen es andeuten, werden die Worte der „convenzione“ über die Spende zugunsten des Oratoriums in Crana verständlich:
„oblazione fatta a dai medesimi procurata per riedificare l’oratorio“!
Auf Grund einer Aufschrift auf den Feminisbildern, deren quellenmäßige Wertlosigkeit, wie bereits erwähnt, in anderen Zusammenhang aufgezeigt werden wird, verbindet Cavalli den Namen des Feminis mit dem Neubau des Oratoriums in Crana, und Maurizi bezieht darauf aufbauend die in der „convenzione“ erwähnte Stiftung von 10000 Lire selbstverständlich auf Feminis.
Feminis war aber ohne Geld von Mainz nach Köln gekommen. Im Extantienbuch der Mainzer „Krämer-Zunft“ erscheint er für das Jahr 1687 mit einem Steuerrückstand von 2 Gulden und für das Jahr 1689/90 mit einem Rückstand von 3 fl. Im Extantienbuch der französischen Kontribution des Jahres 1689 findet sich der Rückstand von 6 fl. mit der Bemerkung: „ist weggezogen“. In Mainz scheint also die geldliche Stärke des Feminis noch nicht allzu groß gewesen zu sein. Auch das Taufregister seiner Kinder zeigt in Mainz einen auffallenden Wechsel der Pfarrei, und zwar im Jahre 1689 „St. Quintin“, 1690 „Dompfarrei“ und 1692 „St. Ignatius“.

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