Die Nummerierung von 1794

Angesichts der vor Köln stehenden französischen Truppen billigt der Rat am 3.Oktober
1794 den Vorschlag der Wachtkommission, ehe noch der Plan die ganze Einrichtung
der Sicherheits-Wacht geendigt werden könnte, […] alle Häußer der Stadt ohne
Unterscheid numeriren und nach Maasgab der Entlegenheit beleuchten zu lassen. Die
Beleuchtung wird für sofort angeordnet, die Nummerierung an die Schickung verwiesen.
Quelle: HAStK, Bestand 10 (Ratsprotokolle) Nr. 241 Bl. 216v.

Am 6. Oktober 1794 besetzen die Franzosen die Stadt. Am 7. Oktober beschließt der
Rat mit den Vierundvierzigern, daß jeder Bürger-Hauptman eine Verzeichniß deren in
seinem Fahnenbezirk befindlichen Bürger und Unbürger binnen 2 mal 24 Stunden
einzuliefern hat und […] der Numerirungs-Punkt deren Häußer zur löblichen Wachts-
Kommission verwiesen wird, die also mit der Durchführung beauftragt wird.
Quelle: HAStK, Bestand 10 (Ratsprotokolle) Nr. 241 Bl. 225v.

Am 20. Oktober 1794 notiere der Ratsverwandte Gottfried von Gall in seinem
Tagebuch, daß man mit der vor 8 Tagen begonnenen Nummerierung und Litterierung
der Häußer fortfahre: es wurden alle Hauser numerirt und litterirt, mit diesem bereits
8täg angefangener Arbeit continuirt.
Quelle: HAStK, Bestand 7030 (Chron.u.Darst.) Nr. 175, Bl. 71v.

Der Drucker Heinrich Josef Metternich (Mitglied des Rates) beantragt die
Genehmigung zur Veröffentlichung eines Adress-Kalenders, der u.a. die inzwischen
angebrachten Hausnummern enthalten soll, und zur Erhebung der erforderlichen
Angaben. Er betont dabei, daß durch die von Euer Gnaden veranstaltete Polizey-
Einrichtung … nunmehro alle Häußer hießiger Satdt nach Ordnung der Colonelschafften
mit Nummeren bemerkt sind.
Quelle: HAStK, Bestand 350 (Franz. Verw..) Nr. 306, Blatt 3-6

Als Bewohner des Hauses in der Glockengasse, das die Nummer 4711 erhalten hat,
stand noch im 2.Kölner Adreßbuch von 1797 die Witwe des Wilhelm von Lemmenseel.
Quelle: RWWA Abt.33, 2. Adreßbuch: Gemeinnütziger…Adresse-Kalender der Stadt
Köllen, Köln 1797, S. 103

Erst im 3.Kölner Adreßbuch von 1797 wird Wilhelm Mülhens als Bewohner genannt,
als Berufsbezeichnung ist angegeben: in Speculationsgeschaeften; unter den Herstellern
von Kölnisch Wasser im Branchenverzeichnis wird er noch nicht aufgeführt.
Quelle: RWWA Abt.33, 3. Adreßbuch: Verzeichnus der Stadt-Kölnischen Einwohner, Köln
1797, S. 179

3. Kölner Adreßbuch: Verzeichnus der Stadt-Kölnischen Einwohner, Köln 1797, Seite 179

1811 wurde die durchlaufende Nummerierung wieder abgeschafft und auf eine
straßenweise Nummerierung, wie sie heute üblich ist, umgestellt. Das Haus
Glockengasse Nr.4711 erhielt darauf die Hausnummer Glockengasse Nr.12 .
Quelle: RWWA Abt.33, Itinéraire de Cologne, 1813

Im Vorwort des französischsprachigen Adressbuchs von 1813 behauptet der Verleger
Thiriart, vor Ankunft der Franzosen habe es in Köln keine Häusernummerierung (
inconnu á Cologne avant l´arrivée des armées francaises au bord du Rhin), sie sei
1795angeordnet worden. Hier beginnt die Legendenbildung.
Quelle: RWWA Abt.33, Itinéraire de Cologne, 1813, S. 12

1854 zog Peter Joseph Mülhens von der Glockengasse 12 in das neu erbaute
Geschäftshaus mit neugotischer Fassade in der Glockengasse 26-28 um. Das Haus
Nr. 12, welches 1794 die Hausnummer 4711 bekommen hatte, stand erst leer und wurde
später nach Verkauf abgerissen.
Quelle: RWWA Abt.33 Kölner Adressbücher

1943 wurde das Haus Glockengasse 26–28 durch einen Bombenangriff völlig zerstört.
1963 wurde ein Neubau im Stil des Vorkriegsgebäudes an neuem Standort an der Ecke
Schwertnergasse 1/Glockengasse 4 errichtet. Die neugotische Fassade wurde jetzt mit
Arkaden um die Straßenencke fortgeführt. Das Bild des französischen Offiziers, der hoch zu Ross die Hausnummer 4711 auf die Fassade des Hauses in der Glockengasse schreibt, ist ein Produkt der Werbung und wird erstmals 1949 in einer Werbeanzeige von Karl Petau verwendet. Von dieser Vorlage wurde auch ein Gobelin, der in den 1950er Jahren in Auftrag gegeben worden war, gefertigt. In seiner szenischen Umsetzung fand es in den 1950er- und 1960er-Jahren große Verbreitung.
Quelle: Julia Kaun: Der Reiter in der Glockengasse. In: Kerstin Theis; Jürgen Wilhelm (Hrsg.): Frankreich am Rhein, Greven Verlag Köln, 2009, ISBN
978-3-7743-0409-3, Seite 118-130

Quellen: Historisches Archiv der Stadt Köln (HAStK), Stiftung Rheinisch-Westfäliches Wirtschaftsarchiv (RWWA), KölN

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